Ich. Liebe. Blaubeeren! Für mich auf jeden Fall die beste Beere von allen. Gibt es überhaupt jemanden, der keine Blaubeeren mag? Ich habe bisher zumindest niemanden gefunden. Als halber Pole muss ich die Blaubeere auch lieben, da sie in Polen grade zu vergöttert wird. Es gibt kaum eine polnische Nachspeise, die nicht auch irgendwie mit Blaubeeren zu bekommen wäre. Die elegante Süße gepaart mit ihrem markanten Geschmack macht diese Beere einfach zu everybody’s darling. Ich möchte euch einen kurzen Überblick über die Blaubeere geben, welche Aromen am besten zu ihr passen und auch einen kleinen Einblick in ihre Inhaltsstoffe geben. Also los!

Basics über die Blaubeere
Um euch ein Bisschen was zum Klugscheißen an die Hand zu geben, fangen wir mit dem lateinischen Fachbegriff an. Hier müssen wir direkt zwischen zwei Sorten von Blaubeeren unterscheiden: die europäische Blaubeere (Vaccinium myrtillus) und die amerikanische Blaubeere (Vaccinium corymbosum). Unterscheiden kann man beide ganz einfach. Die europäische Blaubeere hat tief rotes Fruchtfleisch, während die amerikanische Blaubeere weißes Fruchtfleisch hat. Deswegen verfärben die Blaubeeren aus dem Supermarkt auch nicht so schön den Mund und die Finger, wie die, die man im Wald pflücken kann. Die Blaubeeren, die wir aus dem Supermarkt kennen, sind fast ausschließlich amerikanische Blaubeeren. Sie wächsen schneller und größer als die europäische Sorte und sind dabei auch robuster gegenüber Schädlingen. Aus wirtschaftlicher Sicht deswegen besser zum Kultivieren geeignet. Masse ist Macht – wie beim Pumpen. Leider geht auch hier Quantität über Qualität, denn die europäische Blaubeere ist viel aromatischer und haben einen höheren Anteil an gesunden Inhaltsstoffen.
Europäische Blaubeeren werden hier auch häufig Heidelbeeren oder Waldbeere genannt. Deswegen glaubt man häufig auch, dass es sich um unterschiedliche Früchte handelt. Sind sie aber nicht. Waldbeere werden sie genannt, weil man sie eben selten zu wirtschaftlichen Zwecken kultiviert und sie deswegen in Wäldern gepflückt werden. Saison haben die Beeren zwischen Juli und September. Wer zu der Zeit schon mal in Polen war, kennt die kleinen Verkaufsstände am Straßenrand in Waldgebieten, die gepflückte Blaubeeren in großen Einmachgläsern verkaufen. Und glaubt mir, kauft lieber ein Glas als sie selber zu pflücken. Ich habe sie als Kind oft selber gepflückt und unter 3 Mückenstiche die Minute kommt ihr da nicht raus. Denn die Evolution hat die Mücken gelehrt: Wo diese Sträucher sind, kommt irgendwann das Futter zu uns. Blaubeersträucher sind quasi ein Running Sushi für Mücken.
Der weltweite Konsum von Blaubeeren in 2018:
Quelle: FAOSTAT
682,790 Tonnen.
Angenommen eine Blaubeere wiegt 2g, entspräche das einer Menge von 341.395.000.000 Blaubeeren. Wenn jeder Mensch die gleiche Menge an Blaubeeren pro Jahr essen würde, wären das 45 Blaubeeren pro Person.

Gute Food Matches zu Blaubeeren
Wichtig zu wissen: die eigentliche Geschmack, das Aroma der Blaubeere, ist hauptsächlich unter der blauen Schale konzentriert. Je kleiner die Beeren sind, umso mehr Aroma habt ihr auf das Gewicht gerechnet. Wie wir wissen, kaufen wir ja leider meist die größeren amerikanischen Blaubeeren und damit können wir weniger aromatisch arbeiten als mit europäischen Blaubeeren. Wenn ihr die Wahl habt, sucht euch also die kleinsten Blaubeeren im Supermarkt. Und wenn ihr die Chance habt europäische Blaubeeren zu kriegen, greift zu! Blaubeeren haben ein einzigartiges und zart duftendes Aroma. Die angenehmen floralen Noten dieser Beere geben ihr die Eleganz, die sie aus den anderen Beeren abhebt. Darum lieben wir sie alle. Wie ein Parfum, das man einfach zu Hause haben muss.
Blaubeeren entfalten ihr Aroma in Verbindung mit Zucker. Und das nicht nur ein Bisschen. Der einfachste Weg eine Blaubeersauce zu machen ist Zucker in einer Pfanne oder einem Topf zum Schmelzen zu bringen und Blaubeeren hinzu zu geben, bevor der Zucker braun wird. Die Blaubeeren beginnen sofort ihre Flüssigkeit zu verlieren. Dadurch wird der Zucker kurz wieder hart, löst sich im Blaubeersaft aber schnell wieder auf, wenn man ein Bisschen rührt. Das ganze dann 5 – 10 Minuten auf niedriger Hitze köcheln lassen und schon hat man eine leckere, süße Blaubeersauce für Pfannkuchen, Käsekuchen oder Eis. Wenn ihr etwas mehr Komplexität in eure Blaubeer-Rezepte bringen wollt, zeige ich euch hier ein paar Zutaten, die perfekt mit dem Aroma der Blaubeere harmonieren.
VANILLE
Alles mit Vanille passt perfekt zu Blaubeeren. Entweder ihr gebt Blaubeeren als kleine Highlights zu einem Gericht auf Vanille-Basis oder ihr gebt eurem Blaubeergericht einen kleinen Akzent mit Vanille. Diese beiden Zutaten stehlen sich nicht gegenseitig die Show sondern sind ein echtes Dream-Team. Das ist auch keine Überraschung, weil beide Aromen florale Noten haben und die süße Frische der Blaubeere wie ein Abendkleid auf den weiblich seidigen Nuancen der Vanille liegen.
ZIMT
In Europa eher eine unbekannte Kombination. Trotzdem eine schöne Kombination, die man ausprobiert haben sollte. Anders als bei der Vanille neigt der Zimt allerdings dazu, die Blaubeere zu dominieren und zu überdecken. Deswegen heißt es hier: nur ein bisschen Zimt für eure Blaubeeren. Ihr solltet auf jeden Fall Ceylon Zimt aus Sri Lanka verwenden. dieser ist weicher und nicht so penetrant wie der Cassia Zimt. Letzteren solltet ihr sowieso nie verwenden, aber das ist eine andere Geschichte. Die Kombination aus Blaubeere und Zimt ist eigentlich nur nützlich für Gebäck und Desserts. Blaubeermuffins zum Beispiel. Eine Prise Zimt zusammen mit Zucker in geschmolzene Butter (für Veganer Kakaobutter) mischen und damit eure Blaubeermuffins bestreichen. Damit kriegen eure Muffins einen gewissen Twist ohne zu Zimtmuffins mit Blaubeeren zu werden.
ZITRUSFRÜCHTE
Für mich sind Zitrusfrüchte die Luder im Obstkorb – sie tun es einfach mit allem. Wenn ihr mal keine Ahnung habt, was zu einer Zutat passt, schnappt euch eine Zitrone, Orange oder Limette. Eine von den Dreien wird schon passen. Und Überraschung, auch die Blaubeere hat ein Lieblingsluder: die Zitrone. Sie hat das feinste und floralste Aroma aus dem Trio. Das führt zu einer nahezu gleichen Harmonie wie zwischen Blaubeere und Vanille. Allerdings nicht so ruhig und entspannt. Die Zitrone bringt frische und aufregende Momente in das Leben der Blaubeere. Das funktioniert allerdings nur mit der Zitronenschale, nicht mit dem Saft der Zitrone. Je mehr Säure ins Spiel kommt, umso weniger wird das Aroma der Blaubeere wahrgenommen. Der Zitronensaft ohne eine Menge Zucker würde den Blaubeergeschmack ruinieren. Deswegen: Zestenreibe raus und ab geht die Blaubeer-Zitronen-Party.
Wenn du noch eine gute Zestenreibe brauchst, die hier benutze ich seit ein paar Jahren und sie ist einfach die beste: https://geni.us/xUA1K
ANDERE FRÜCHTE
Wir haben bisher drei wichtige Dinge gelernt:
1. Die Blaubeere braucht Süße, um ihr Aroma zu entfalten.
2. Säure ist ein No-Go.
3. Die eleganten floralen Noten der Blaubeere werden leicht durch starke Aromen überdeckt.
Das bringt uns zu Früchten, die sehr süß sind, wenig bis gar keine Säure besitzten und subtile Aromen haben. Jede Frucht, auf die diese Kriterien zutreffen, wird sehr wahrscheinlich auch zur Blaubeere passen. Spontan kann ich euch süße Äpfel, reife Birnen, leicht grüne Banenen, Honigmelone und weiße Pfirsiche nennen. Aber es gibt auf jeden Fall noch mehr. Jetzt seid ihr an der Reihe. Werdet kreativ und lasst mich wissen, was eure Lieblingskombination ist, die ich unbedingt ausprobieren muss. Postet euren Kommentar einfach unter diesen Post.
Ihr seht, Blaubeeren sind ziemlich vielseitig was das Kombinieren von Aromen betrifft. Ein weiterer Grund, warum die ganze Welt sie liebt. Aber viele schätzen sie nicht nur wegen ihres Geschmacks sondern auch wegen ihrer gesunden Inhaltsstoffe. Darum landen Blaubeeren häufig in anti oxidativen Smoothies. Lasst uns einmal hinter die Kulissen schauen und sehen, ob die Blaubeere diesem Hype auch gerecht wird.

Nährwerte und gesundheitliche Aspekte von Blaubeeren
Blaubeeren sollen super gesund sein. Fitnesszeitschriften und ähnliche Quellen propagieren regelmäßig die Krebs vorbeugende, Anti-Aging und Healthy-Aging Wirkung von Blaubeeren. Aber stimmt das auch? Der Hype um diese Effekte geht von den natürlichen Farbstoffen der Blaubeeren aus, die bei der amerikanischen Blaubeere unter der Schale und bei der europäischen Blaubeere zusätzlich noch im Fruchtfleisch zu finden ist. Diese Farbstoffe sind Anthocyane, wasserlösliche Pflanzenpigmente. Diese haben eine gewisse antioxidative Wirkung in unserem Körper. Studien belegen diese Effekt auch. Allerdings nur in virto, also in einem Reagenzglas. Aber in unserem Körper kann dieser Effekt nicht nachgewiesen werden. Unser Stoffwechsel ist nicht dafür gemacht, das volle antioxidative Potenzial der Anthocyane für unseren Körper zu nutzen.
Aber Blaubeeren haben noch weiteres Potenzial für antioxidative Effekte als nur die Anthocyane. Die Vitamine A, C und E sind ebenfalls Antioxidantien und für uns lebensnotwendig. Und in der Blaubeere stecken alle drei. Aber ist der Anteil dieser Vitamine in der Blaubeere auch so hoch, dass sie einen Platz in unseren Vitamindrinks verdient? Ich habe mich ein Bisschen schlau gemacht und und sie mit zwei anderen Beeren verglichen, die wir ebenfalls lieben: Himbeere und Erdbeere. Und das kam dabei raus:

Wie ihr sehen könnt, gibt es keinen klaren Gewinner in diesem Vergleich. Jede der drei Beeren hat ihre Höhen und Tiefen. Aber die Blaubeere lässt definitiv die Himbeere hinter sich, was die Vitamine A, C und E angeht. Die Erdbeere hat mehr als 2x so viel Vitamin C als die Blaubeere, guckt aber bei Vitamin E dumm aus der Wäsche. Hier ist die Blaubeere der King – oder die Queen… müsste ich nackt sehen. Und Vitamin E ist in unserer täglichen Ernährung deutlich wichtiger als Vitamin C, weil wir unseren Vitamin C Tagesbedarf mit einer normalen Ernährung locker erreichen. Die Blaubeere hat sogar im Vergleich mit allen gängigen Beeren den höchsten Anteil an Vitamin E. Mit 100g Blaubeeren deckt man 18% des Tagesbedarfs an Vitamin E. Ein kleines Schälchen im Supermarkt hat schon 250g und reicht für eine Person, was fast die Hälfte des Tagesbedarfs deckt.
Und wir haben noch nicht auf die Mineralstoffe geschaut. Blaubeeren haben einen guten Anteil an Eisen. Grade für Vegetarier und Veganer ein wichtiger Faktor. Mit 100g Blaubeeren deckt ihr 5% eures Tagesbedarf. Das ist nicht viel im Vergleich zu Petersilie (über 40% pro 100g), aber ein guter Anfang, um euer Ziel zu erreichen. Und mit nur 42 Kalorien pro 100g kann man mal locker 500g am Tag essen und damit 25% erreichen. Besonders interessant für Frauen, die häufiger an Eisenmangel leiden.
Blaubeer Fazit
Ist die Blaubeere ein Superfood, das Wunder vollbringt, Krebs heilen kann und ewige Jugend verspricht? No way! Ist sie eine köstliche Frucht mit Inhaltsstoffen, die uns gesund halten? Yes way!
Ihr könnt aufhören diese köstliche Beere als Beiwerk in eure Super-Smoothies zu mischen, wo sie geschmacklich völlig untergeht. Es wird euch nicht jünger oder unsterblich machen. Fangt an das Aroma der Beere richtig einzusetzen und genießt sie lieber, indem ihr sie clever mit passenden Aromen kombiniert. Wenn ihr etwas für eure Fitness tun wollt, wandert im Sommer durch den Wald und pflückt wilde Blaubeeren. Das ist gut für Körper und Gaumen ;). Aber bitte vorher gründlich abwaschen!